Herstellung von Birkenpech

Birkenpech oder Birkenteer ist ein schwarzes, teerartiges Destillat, das aus der Rinde von Birken gewonnen wird und seit der Vorzeit als vielseitiger Klebstoff verwendet wurde. Die ältesten Funde datieren in die mittlere Altsteinzeit und wurden bei Ausgrabungen am Fundplatz Königsaue bei Aschersleben/Sachsen-Anhalt in den 1960er Jahren entdeckt. Das geologische Alter der Fundschichten wird mit mindestens 80000 Jahren vor heute angegeben, zwei Radiokarbondaten aus Oxford für die Pechfunde liefern Werte von 43800+/-2100 BP und 48400+/-3700 BP. Birkenpech wurde an zahlreichen Lager- und Siedlungplätzen von der Mittleren Steinzeit (rd. 9500 - rd. 4500 v.Chr.) und der Jungsteinzeit (rd. 5500 - 2200 v. Chr.) gefunden und konnte anscheinend mit relativ einfachen Mitteln problemlos und in beliebigen Mengen für den täglichen Gebrauch hergestellt werden. (Quelle: Wikipedia).

Wenn man nach Birkenpech googelt, erfährt man schnell, dass Birkenpech üblicherweise im Zweikammerverfahren hergestellt wird und ein komplizierter Prozess ist. Wie aber wurde Birkenpech überhaupt "erfunden"? Sicher nicht, indem jemand sich das Zweikammerverfahren ausgedacht hat. Vielleicht eher durch Zufall, wie bei so vielen Entdeckungen.

Mehr dazu in Friedrich Palmer: "Die Entstehung von Birkenpech in einer Feuerstelle unter paläolithischen Bedingungen" (PDF, 4MB) in Mitteilungen der Gesellschaft für Urgeschichte - 16 (2007), S. 75.

Birkenpech im Einkammerverfahren - Versuch

Vielleicht ist durch Zufall etwas Birkenrinde oder ein Birkenast in einem Stück Lehm eingeschlossen worden und am Rande des Feuers gelandet, wo die richtige Temperatur herrschte. Später hat dann jemand den Brocken aufgeschlagen und den Kleber entdeckt.

Testen wir das doch mal.

Aus Formlehm wird eine faustgroße Halbschale geformt, möglichst dicht mit Birkenrinde vollgepackt und mit weiterem Formlehm zu einer Kugel geformt. Alle Risse werden sorgfältig mit weiterem Formlehm abgedichtet. Die Form soll möglichst luftdicht schließen. Die fertige Kugel wiegt im nassen Zustand ca. 700 g.

Herstellung...
... einer ...
... Kugel mit Birkenrindenfüllung.

Nach der Trocknung soll die Kugel einige Stunden im offenen nicht zu heißen Feuer (ca. 300 - 400 °C) verbringen. Wenn der Versuch gelingt, haben wir hinterher eine kleine Menge Birkenpech in der Kugel.

Ergebnis

Schon nach wenigen Minuten in der Glut begann aus der Kugel aus einigen Löchern Rauch auszutreten. Nach etwa einer halben Stunde intensiver Rauchentwicklung haben wir den Versuch abgebrochen und die Kugel aus der Glut genommen.

Die Birkenrinde ist stellenweise stark verkohlt, stellenweise nur dunkelbraun verfärbt und noch als Rinde erkennbar. Der typische Geruch von Birkenpech ist wahrnehmbar, verwendbares Birkenpech ist nicht entstanden. Insgesamt wirkt der Rindenrückstand sehr trocken. Die verkohlten Teile sind hart und spröde.

Rauch tritt aus
Geöffnete Tonkugel nach dem Versuch
Verkohlte Birkenrinde

Tja, da muss wohl ein neuer Versuch gemacht werden, diesmal mit besserer Abdichtung der Rinde.

Wertvolle Hinweise dafür hat uns Norbert Hirschinger (http://www.bsv-hassloch.de) gegeben: Der untere Teil der Kugel sollte gekühlt werden, sprich: in die Erde eingegraben. Eigentlich logisch, das macht man ja beim Doppeltopfverfahren auch so.

Außerdem wäre eine Art Trennschicht aus Rinde / Holz oder Lehm zwischen der oberen und der unteren Hälfte der Kugel mit einem Loch in der Mitte möglicherweise sinnvoll. Das geht schon ein bisschen in Richtung Doppeltopfverfahren. Danke an Norbert für die Hinweise.

Weitere Informationen

Ein nicht steinzeitliches, aber funktionierendes Verfahren stellt Blumammu vor: http://www.feuer-steinzeit.de/programm/pech.php.

Herstellung von Birkenpech im Einkammerverfahren